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WeinÉpernay

KI von Moët Hennessy soll Weinfehler früher erkennen

Gemeinsam mit Analog Devices und der UC Davis meldet die Getränkesparte von LVMH, Sensoren hätten das Risiko eines Frischpilzaromas vor Standardtests erkannt. Die Daten dazu sind nicht öffentlich.

Dunkle Traubenbündel fallen von einem Sortiertisch aus Edelstahl in einem Weingut
Foto · Gonzalo Acuña / Pexels · Pexels License

Die KI von Moët Hennessy, entwickelt mit dem Chiphersteller Analog Devices und der University of California in Davis, hat ein erstes Ergebnis geliefert: eine Frühwarnung vor dem Frischpilzaroma, einem Weinfehler, der meist erst nach der Gärung auftritt. Die Partner erklären, ihre Sensoren hätten gefährdete Proben früher markiert als herkömmliche Methoden, doch sie haben bislang keine einzige Zahl veröffentlicht, die diese Aussage belegt.

Angekündigt wurde die Zusammenarbeit am 7. Oktober in einer Pressemitteilung aus Paris und Wilmington im US-Bundesstaat Massachusetts. Analog Devices (ADI) liefert eine Plattform aus Sensorik und maschinellem Lernen, die auf Forschung am MIT zurückgeht. Die UC Davis bringt ihr Institut für Weinbau und Önologie ein. Moët Hennessy, die Wein- und Spirituosensparte von LVMH, stellt die Proben und die Produktionsdaten.

Das System liest die flüchtigen chemischen Signaturen, die Rebstöcke, Most und Wein abgeben. Statt eine feste Liste bekannter Marker abzufragen, entscheidet die Software selbst, welche Signale in einem breiten chemischen Profil am meisten zählen. Die Trainingsgrundlage ist eine Probensammlung, die das Forschungszentrum Robert-Jean de Vogüé von Moët Hennessy in der Nähe von Épernay aufgebaut hat.

Eine Warnung vor der Gärung nützt nur, wenn jemand prüfen kann, wie oft sie stimmt.

Warum das Frischpilzaroma so schwer zu fassen ist

In der Champagne taucht der Fehler seit 2005 in einzelnen Weinen auf, vor allem bei Pinot Noir und Meunier, wie eine Studie aus dem Jahr 2022 in der Fachzeitschrift Molecules zeigt, an der auch Forscher des Comité Champagne beteiligt waren. Er wird mit Schimmelpilzen in Verbindung gebracht, die sich zusammen mit der Graufäule entwickeln, und mit C8-Verbindungen wie 1-Octen-3-on. Dieselbe Arbeit hält fest, dass der Fehler im Most nicht nachweisbar ist und erst am Ende der alkoholischen und der malolaktischen Gärung auftritt, wenn die Möglichkeiten, einen Grundwein noch zu korrigieren, deutlich kleiner sind.

Ein Werkzeug, das das Risiko früher erkennt, würde es einer Kellerei erlauben, eine Partie zu isolieren, zu behandeln oder abzuwerten, bevor sie in die Assemblage gelangt. Manuel Reman, Mitglied des Exekutivkomitees von Moët Hennessy und dort für Forschung und Entwicklung zuständig, spricht davon, die „chemische Sprache“ von Traube und Wein zu lesen. Max Shulaker, Leiter der Sparte Health Solutions bei ADI, will die Qualitätskontrolle „vom Reagieren zum Vorausschauen“ bringen.

Was der KI von Moët Hennessy noch fehlt

Die Ankündigung nennt weder eine Stichprobengröße noch eine Trefferquote, weder eine Rate falsch positiver Ergebnisse noch die Zeitspanne, um die das System früher warnt. Eine begutachtete Fachveröffentlichung lag nicht bei, worauf die Fachseite Vinetur hinwies. Die Partner beschreiben ein Hilfsmittel für Entscheidungen der Kellermeister, ausdrücklich keinen Ersatz für sie, und nennen keinen Termin für den kommerziellen Einsatz.

Ben Montpetit, Professor und Leiter des Instituts für Weinbau und Önologie der UC Davis, fasst das Ziel so zusammen: Winzern und Önologen die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt zu geben.

Nach einer Ernte 2026 auf dem tiefsten Stand der Neuzeit ist in der Champagne jede gerettete Partie wertvoll. Ob diese Sensoren den Fehler auch außerhalb der Probensammlung eines einzelnen Unternehmens vorhersagen können, muss sich erst noch zeigen.

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