Contadi Castaldi: Verkauf an Argea gemeldet, Familie dementiert
Il Sole 24 Ore bewertet das Weingut in der Franciacorta mit rund 30 Millionen Euro. Die Abschlüsse für 2025 zeigen Gewinne bei beiden Häusern von Terra Moretti und zusammen fast 96 Millionen Euro Schulden.

Contadi Castaldi, das Franciacorta-Weingut der Gruppe Terra Moretti, die der Familie Moretti gehört, steht kurz vor der Übernahme durch Argea, das Weinunternehmen unter Kontrolle des Private-Equity-Fonds Clessidra. Das berichtete die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore am 3. Oktober. Die Familie hat einen Verkauf des Weinguts dementiert, wie das Brescianer Nachrichtenportal QuiBrescia schreibt.
Die Wirtschaftszeitung nennt eine Bewertung von rund 30 Millionen Euro und schreibt, das Angebot sei seit mehreren Monaten im Umlauf und solle in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Für das Jahr 2025 gibt sie eine Produktion von knapp 1,2 Millionen Flaschen an, dazu einen Umsatz von fast 13 Millionen Euro und ein Ebitda von 4 Millionen Euro. Auch die Tageszeitung Giornale di Brescia berichtete über Gerüchte zu einem Verkauf an einen Fonds, merkt aber an, dass die Familie Moretti ihn bisher nicht bestätigt hat.
Keines der beiden Franciacorta-Häuser der Gruppe hat im vergangenen Jahr Verlust geschrieben. Nach den Abschlüssen für 2025, die QuiBrescia und das Fachportal Italia a Tavola zitieren, erzielte Bellavista einen Gewinn von 4,2 Millionen Euro bei einem Umsatz von 26,5 Millionen Euro, Contadi Castaldi einen Gewinn von 2,1 Millionen Euro bei 14,8 Millionen Euro. Das ist ein etwas höherer Umsatzwert als jener, den Il Sole 24 Ore nennt.
Zwei profitable Weingüter und fast 96 Millionen Euro Schulden: Die Bilanzen erklären, warum schon Käufer genannt werden.
Was die Bilanzen von Contadi Castaldi und Bellavista zeigen
Das Gewicht liegt auf der anderen Seite der Bilanz. Dieselben Abschlüsse weisen Schulden von 58,5 Millionen Euro bei Bellavista und von 37,4 Millionen Euro bei Contadi Castaldi aus, zusammen also fast 96 Millionen Euro. Die Holding schloss das Jahr 2025 mit einem Gewinn von 1,9 Millionen Euro ab, nach einem Verlust von 20,7 Millionen Euro im Jahr 2024, und verfügt über ein Eigenkapital von 88,6 Millionen Euro.
Der Giornale di Brescia beziffert die Gesamtverschuldung der Gruppe auf rund 170 Millionen Euro, etwa das Siebenfache des Ebitda. QuiBrescia führt sie auf zwei Schritte zurück: den Kauf von Sella & Mosca und Teruzzi von Campari für rund 62 Millionen Euro und den Rückkauf des 30-Prozent-Anteils, den ein chinesischer Fonds hielt, im Januar 2023.
Auch ein Resort in der Toskana wechselt den Besitzer
Der zweite Vermögenswert, um den es geht, ist L'Andana, das Resort mit 61 Zimmern in Castiglione della Pescaia in der toskanischen Maremma. Il Sole 24 Ore berichtete am 1. Oktober, es gehe an die Familie De Santis, Eigentümerin des Grand Hotel Tremezzo und des Passalacqua am Comer See, die sich dazu nicht äußern wollte. Ein Preis wurde nicht genannt; der Giornale di Brescia zitiert Marktschätzungen von mehr als 30 Millionen Euro.
Auch anderswo wechseln Schaumweingüter den Eigentümer: Boisset hat Artesa gekauft, das vom Cava-Haus Codorníu gegründete Weingut in Napa.
Contadi Castaldi entstand Ende der Achtzigerjahre in einer ehemaligen Ziegelei in Adro; die Gruppe hat ihren Sitz im benachbarten Erbusco. Laut Il Sole 24 Ore will sich Terra Moretti auf Bellavista und auf das Resort L'Albereta konzentrieren. Solange kein Geschäft unterzeichnet oder angekündigt ist, liegen ein Zeitungsbericht, ein Dementi der Familie und hinterlegte Jahresabschlüsse auf dem Tisch.


