Jobs in der Gastronomie wachsen in Argentinien, Industrie baut ab
Hotels und Restaurants gewannen in drei Jahren rund 495.000 Beschäftigte, die Industrie verlor 415.000, zeigen amtliche Daten. Der größte Teil der neuen Arbeit ist selbstständig und nicht registriert.

Die Jobs in der Gastronomie vermehren sich in Argentinien, während die Fabrikarbeit schrumpft: Hotels und Restaurants gewannen zwischen dem zweiten Quartal 2023 und dem zweiten Quartal 2026 rund 495.000 Beschäftigte, das verarbeitende Gewerbe verlor 415.000. Das ergibt eine am 3. Oktober veröffentlichte Auswertung amtlicher INDEC-Daten durch das Nachrichtenportal Infobae.
Die Zahlen stammen aus der Encuesta Permanente de Hogares, der Haushaltsbefragung, die das Statistikamt INDEC in 31 städtischen Ballungsräumen durchführt und die das Portal auf das ganze Land hochgerechnet hat. In dieser Lesart stieg die Beschäftigung in Hotels und Restaurants binnen drei Jahren um 67,8 Prozent, ihr Anteil an allen Arbeitsplätzen wuchs von 3,6 auf 5,8 Prozent. Die Industrie schrumpfte um 16,7 Prozent, von 12,2 auf 9,8 Prozent der Erwerbstätigen.
Die Gesamtbeschäftigung wuchs um 818.070 auf 21,19 Millionen Menschen. Die Zusammensetzung sagt allerdings mehr als die Summe: Die Zahl der registrierten Stellen sank um 450.830, während die Zahl der Stellen ohne Rentenbeiträge um 1.268.900 zunahm und 562.000 Selbstständige hinzukamen. In einem Land, dessen Hauptstadt von ihren Grills und Cafés lebt, wie unser Guide dazu zeigt, was man in Buenos Aires essen sollte, stellt die Branche inzwischen mehr als jeden zwanzigsten Arbeitsplatz.
Wächst eine Branche in drei Jahren um zwei Drittel, lohnt der Blick darauf, wer die Verträge unterschreibt.
Welche Jobs in der Gastronomie entstehen
Eine Haushaltsbefragung zählt jeden, der angibt, in der Branche zu arbeiten, ob angemeldet oder nicht. Deshalb sagt die Zahl wenig über Gasträume aus, die Kellner einstellen. Eine frühere Studie auf Grundlage derselben INDEC-Mikrodaten, erstellt vom Beratungsunternehmen Econviews, verfasst vom Ökonomen Rafael Aguilar und im Mai von Análisis Digital aufgegriffen, deckte einen kürzeren Zeitraum ab, nämlich von Ende 2023 bis Ende 2025. Sie zählte 141.000 Menschen mehr in Hotels und Restaurants. Davon arbeiteten 101.000 auf der Straße, in Fahrzeugen oder von zu Hause aus, überwiegend als Selbstständige, und 80.000 verkauften Essen aus der eigenen Küche.
Diese Erwerbstätigen verdienten im vierten Quartal 2025 etwa 500.000 Pesos im Monat, registrierte Angestellte von Restaurants und Hotels dagegen knapp 800.000, so dieselbe Studie. Die beiden Zählungen unterscheiden sich in Zeitraum und Reichweite und lassen sich nicht direkt nebeneinanderstellen, aber sie weisen in dieselbe Richtung.
Informelle Arbeit hinter der Schlagzeilenzahl
Der eigene Bericht des INDEC zum zweiten Quartal 2026, veröffentlicht am 17. September, wies eine Arbeitslosenquote von 7,9 Prozent und eine Informalität von 45 Prozent der Erwerbstätigen aus. Das entspricht 6,1 Millionen Menschen in den 31 erfassten Ballungsräumen, wie iProfesional berichtete.
Infobae ordnet Argentinien in ein regionales Muster ein. Ein gemeinsames Bulletin der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) und der Internationalen Arbeitsorganisation vom August 2026 stellte fest, dass Hotels und Restaurants Produktion und Beschäftigung ausweiteten, während Industrie und Bau zurückgingen. Anderswo ist die Richtung ähnlich, die Verträge sind es nicht: In Spanien führt das Gastgewerbe die Einstellungsprognose der Arbeitgeber an, und dort geht es um Stellen auf der Lohnliste.
Fast eine halbe Million Menschen mehr geben heute in Argentinien an, davon zu leben, andere zu verpflegen und zu beherbergen. Die bisher veröffentlichten Zahlen über die Jobs in der Gastronomie sagen nicht, wie viele von ihnen eine Lohnabrechnung bekommen.


