Michelin Italia verlegt Vertriebszentrale von Mailand nach Turin
Der Reifenhersteller hinter dem Guide Michelin schließt sein Vertriebsbüro in Mailand und bündelt es bis 2028 auf seinem Gelände am Corso Romania – nach einer Einigung mit den Gewerkschaften im Juli.

Michelin Italia schließt seine Vertriebszentrale in Mailand und verlegt sie in den Industriekomplex des Konzerns am Corso Romania in Turin. Grundlage ist eine Vereinbarung, die Ende Juli mit den Gewerkschaften unterzeichnet wurde; der Umzug soll im Jahr 2028 abgeschlossen sein.
Am Standort Turin befinden sich bereits der italienische Rechtssitz des Unternehmens, eine Fertigung für Reifen-Halbfabrikate und das European Distribution Centre, das europäische Verteilzentrum von Michelin. Agostino Mazzocchi, Präsident und Vorstandschef von Michelin Italia, bestätigte den Schritt in dieser Woche bei einem Abendessen im Rahmen des Treffens „Invest in Piemonte“, an dem rund 70 multinationale Unternehmen teilnahmen, wie der Corriere Torino berichtete.
Wie viele Beschäftigte von Michelin Italia nach Turin gehen
Eine Zentrale, die Mailand für Turin verlässt, kehrt die übliche Richtung im italienischen Firmenverkehr um.
Die Zahl hängt davon ab, wer zählt. Marta Camuso von der Gewerkschaft Filctem-Cgil in Mailand sagte der Zeitung La Stampa, der Umzug betreffe 99 Büroangestellte. Der Corriere Torino spricht insgesamt von rund 250 Beschäftigten; etwa 150 davon sind Außendienstmitarbeiter, die ohnehin durch ganz Italien reisen und künftig schlicht Turin statt Mailand zugeordnet werden.
Die Vereinbarung tritt laut Corriere Torino am 1. Januar 2027 in Kraft, während La Stampa den tatsächlichen Umzug für den Zeitraum von Januar bis August 2028 angibt. Wer pendelt, bekommt die Fahrtkosten erstattet; wer umzieht, kann stattdessen einen Mietzuschuss wählen, auch für vom Unternehmen vermittelte Wohnungen. Außerdem sieht die Vereinbarung Hilfe bei der Jobsuche für Familienangehörige sowie bei der Suche nach Kita- und Schulplätzen vor. Die Gewerkschaften Filctem-Cgil und Femca-Cisl haben zudem gefordert, dass das mobile Arbeiten erhalten bleibt.
Nicht alle profitieren davon. „Nur wenige Beschäftigte wohnen in der Nähe des Mailänder Standorts“, sagte Camuso der La Stampa und warnte, dass der Weg für diejenigen, die südlich der Stadt wohnen, beschwerlich werden könne.
Nach Angaben der Gewerkschaften begründete das Unternehmen den Schritt mit einer engeren Verzahnung der Abteilungen untereinander und mit den Konzerndiensten, die bereits in Turin angesiedelt sind. Massimiliano Mosca, Generalsekretär der Filctem-Cgil Turin, nannte außerdem betriebliche Effizienz und wirtschaftliche Nachhaltigkeit als Motive. Der Corriere Torino führt zusätzlich Kostensenkungen an und erwartet, dass die Turiner Zentrale nach dem Umzug mehr als 700 Beschäftigte zählen wird.
Reifen im Piemont, Sterne in Piacenza
Michelin beschäftigt im Piemont rund 3.800 Menschen. Das Werk in Cuneo, mit 2.600 Beschäftigten das größte des Konzerns in Westeuropa, produziert Pkw-Reifen, während sich der Standort Alessandria auf Schwerfahrzeuge konzentriert. Ausnahmsweise wandert damit eine Unternehmenszentrale auf der Strecke Mailand–Turin in die entgegengesetzte Richtung als üblich.
Keiner der Berichte und keine der Gewerkschaftsaussagen erwähnt den Guide Michelin: Die Umstrukturierung betrifft die Vertriebssparte des Reifengeschäfts. Die italienische Auswahl 2027 des Restaurantführers soll, wie im April angekündigt, am 12. November im Teatro Municipale in Piacenza vorgestellt werden, nachdem der Guide Michelin Italien im September 20 Restaurants aufgenommen hatte. Die Mailänder Vertriebsmitarbeiter von Michelin Italia haben nun bis August 2028 Zeit, sich zwischen dem Zug und einer neuen Adresse zu entscheiden.


