KI-Sommelier Babette startet bei Colruyts Getränkeshop Boir
Der Chatbot sortiert fast 2.000 Weine, Biere, Spirituosen und alkoholfreie Getränke nach Geschmack, Anlass und Budget. Wird die Frage schwierig, übernimmt ein Sommelier aus Fleisch und Blut.

Boir, der Online-Getränkeshop des belgischen Handelskonzerns Colruyt Group, hat am 1. Oktober einen KI-Sommelier namens Babette gestartet. Der Chatbot auf boir.be empfiehlt Flaschen aus einem Sortiment von fast 2.000 Produkten, abgestimmt auf Geschmack, Anlass und Budget der Kundschaft.
Das Sortiment umfasst Wein, Bier, Spirituosen und alkoholfreie Alternativen. In der Mitteilung von Colruyt stehen Beispiele für die Fragen, die Babette beantworten soll: Welcher Wein passt zu einem Pilzrisotto, welcher Rotwein eignet sich als Geschenk für weniger als 20 Euro, was schenkt man beim Grillen aus? Dieselbe Logik gilt für alkoholfreie Getränke, eine Kategorie, in der sich nach Angaben des Unternehmens viele Kundinnen und Kunden noch nicht zurechtfinden.
Was der KI-Sommelier kann und was nicht
Der Chatbot erledigt den Wein zum Risotto, die schwierigen Fragen landen weiterhin bei einem Menschen.
Die Pressemitteilung verrät weder, welches Sprachmodell oder welcher Technologiepartner hinter Babette steckt, noch ob sie auf Niederländisch, Französisch oder in beiden Sprachen antwortet. Ausführlich beschrieben wird dagegen der Notausgang: Wird eine Frage zu speziell oder zu komplex, verweist Babette an den Kundendienst, der den Kontakt zu den hauseigenen Sommeliers von Boir herstellen kann. Anders gesagt: Der KI-Sommelier kümmert sich um das Risotto, die schwierigen Fragen bleiben bei Menschen.
„Künstliche Intelligenz hilft, sich in unserem Sortiment zurechtzufinden, während unsere Experten für alle da bleiben, die eine tiefergehende Beratung suchen“, sagte Jeroen Van Belleghem, Manager von Boir, in der von RetailDetail zitierten Mitteilung. Colruyt stellt das Werkzeug als neuen Weg dar, mehr als 80 Jahre Weinkompetenz aus dem Konzern anzubieten; die Gruppe füllt seit 1937 Wein ab.
Ein Onlineshop ganz ohne Ladenfläche
Boir hat keine Filialen. Der Shop ging am 6. Dezember 2024 als Nachfolger von Klassewijnen online, der früheren Weinmarke von Colruyt. Laut dem Fachmagazin Gondola gibt es das Sortiment in den übrigen Formaten des Konzerns nicht zu kaufen. Bestellungen werden nach Hause geliefert oder an Abholpunkten von Collect&Go abgeholt. Außerdem veranstaltet Boir jedes Jahr einen En-primeur-Verkauf von Bordeaux.
In einem Porträt vom Mai berichtete Forbes Belgien, dass Boir auf Flaschen zwischen 10 und 25 Euro setzt, für alkoholfreie Produkte doppelte Treuepunkte vergibt und innerhalb von fünf Jahren in jedem Warenkorb mindestens einen alkoholfreien Artikel sehen will. Derselbe Artikel erwähnte bereits einen KI-Assistenten für Speisebegleitung; Babette ist dieser Plan, nun öffentlich.
Restaurants konkurrieren weiterhin um Preise wie die World's Best Wine Lists für die besten Weinkarten; Colruyt setzt dagegen auf Software, die die Liste verkürzt. Ob ein KI-Sommelier mehr Flaschen verkauft als ein gut geschriebenes Regaletikett, dazu hat Colruyt bislang keine Zahl genannt.


