Alchemist Kopenhagen schließt jedes Jahr fünf Monate
Rasmus Munks Zweisternerestaurant stellt ab Dezember den regulären Betrieb für eine jährliche Intermission ein, bezahlt rund 100 Beschäftigte weiter und macht ein Getränkepaket ab 3.000 Kronen zur Pflicht.

Alchemist Kopenhagen, Rasmus Munks mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnetes Restaurant auf Refshaleøen, schließt ab Dezember 2026 jedes Jahr für fünf Monate und behält seine rund 100 Beschäftigten auf der Gehaltsliste, solange der Speisesaal dunkel ist.
Das Restaurant nennt die Pause Intermission. Die erste dauert laut TV 2 Kosmopol von Dezember bis Mai 2027, und das Muster soll sich jedes Jahr wiederholen. Die Zeit gehört der Forschung, Studienreisen nach Indien und Japan, neuen multisensorischen Installationen und der Ausbildung: Die 28 Menschen im Service bekommen Masterclasses in Führung, Psychologie und Gastgeberschaft.
"Ich mache diesen Schritt, um Zeit und Raum für mich und mein Team zu schaffen, damit wir weiter die Grenzen dessen ausloten, was ein Restaurant sein kann", sagte Munk.
Fünf Monate zu, 100 Gehälter bezahlt: ein Modell, das nur mit einer Million auf der Liste trägt.
Wie Alchemist Kopenhagen die Pause bezahlt
Die Copenhagen Post berichtete, die Entscheidung falle trotz eines operativen Verlusts. Munk sagte der Wirtschaftszeitung Børsen, das Modell funktioniere, weil die Nachfrage nicht das Problem sei: Alchemist ist seit der Eröffnung auf Refshaleøen 2019 jeden Tag ausgebucht und nennt mehr als eine Million Menschen auf der Warteliste.
Ein Teil der Rechnung wandert zum Gast. Die freie Getränkewahl entfällt, ersetzt durch ein Pflichtpaket ab 3.000 dänischen Kronen, rund 400 Euro, mit Weinbegleitung, Champagner und Tee. Es kommt zu einem Menü hinzu, das Munks Konzept Holistic Cuisine auf fünf Akte und rund 50 essbare und nicht essbare Eindrücke verteilt.
Ein letzter Monat vor dem Vorhang
Vor der ersten Intermission verkauft Alchemist zwei Reihen im November: das reguläre Menü vom 6. bis 22. November, danach einen Curtain Call vom 25. bis 29. November mit erweiterten Menüs und raren Flaschen aus dem Keller. Die Buchungen öffneten am 21. September, für Tische zu zweit, zu viert oder zu sechst.
Das Restaurant gehört Munk und dem Investor Lars Seier Christensen, Mitgründer der Saxo Bank. Kaum ein Restaurant könnte das Modell kopieren, und Munk hat das dänischen Medien selbst gesagt: Es beruht auf einer Warteschlange, die die meisten Häuser nie haben werden.
Kopenhagen muss derweil nicht hungern; die Liste der guten Adressen in der Stadt ist lang. Aber fünf Monate im Jahr wird sein theatralischster Tisch zur Werkstatt.


