Go Get Em Tiger röstet Kaffee künftig im Herkunftsland
Die Rösterei aus Los Angeles will bis Ende 2026 ein Fünftel ihres Kaffees in Erzeugerländern rösten lassen und setzt darauf, dass Nähe zur Farm mehr zählt als ein Röstdatum aus Kalifornien.

Go Get Em Tiger röstet einen Teil seines Kaffees künftig dort, wo er wächst, nicht dort, wo er verkauft wird. Das Unternehmen aus Los Angeles startete am 25. September Roasted at Origin, ein Programm, das weniger grünen Kaffee nach Kalifornien verschifft und mehr fertig gerösteten Kaffee direkt aus den Anbauländern.
Die erste Veröffentlichung unter diesem Label ist PRISM, ab dem 29. September erhältlich in allen Los-Angeles-Filialen von Go Get Em Tiger und online — dem National Coffee Day in den USA. Geröstet wird nach einem gemeinsam mit den Erzeugern entwickelten Profil, verschifft wird bereits als fertiger Kaffee, nicht als Rohware für eine Rösterei in LA.
Warum die Röstung näher an die Farm rückt
Wer dem Kaffee am nächsten ist, kennt ihn am besten.
Spezialitätenkaffee folgte lange einer Annahme: nah am Kunden rösten, weil geröstete Bohnen beim Transport schneller an Aroma verlieren als grüne. Go Get Em Tiger setzt darauf, dass diese Annahme unterschätzt, was am anderen Ende der Lieferkette passiert.
„Das Röstdatum bleibt wichtig“, sagte CEO David Yardley zu dem Schritt. „Aber es ist nur ein Teil der Frische.“ Board-Mitglied Geoff Watts, ein langjähriger Kaffeeeinkäufer, brachte es unumwunden auf den Punkt: „Wer dem Kaffee am nächsten ist, kennt ihn am besten.“
Die Rösterei ins Herkunftsland zu verlegen, verlagert auch einen Teil der Wertschöpfung, die sonst im Land des Röstens und Verkaufs bleibt. Die Exportwirtschaft der Erzeugerländer steht das ganze Jahr über unter Druck, zuletzt mit Vietnams einbrechenden Robusta-Preisen vor der neuen Ernte; den Röstschritt im Ursprungsland zu belassen, nicht nur die Rohware, ist ein Weg, mehr vom Endpreis eines Beutels dort zu halten.
Ein Ziel ohne externen Prüfer, vorerst
Go Get Em Tiger will bis Ende 2026 20 Prozent seiner gesamten Röstung in Erzeugerländer verlagern, bis Ende 2027 dann 70 Prozent. Das Unternehmen versteht das Ziel als Erweiterung dessen, was eine Spezialitätenrösterei sein kann, nicht als Rückzug aus Los Angeles.
Diese Zahlen stammen vom Unternehmen selbst, bislang ohne externe Prüfung, und die Herkunftsländer für die nächsten Veröffentlichungen nach PRISM stehen noch nicht fest. Der Vergleich mit anderen Eigentumsverschiebungen in der Lieferkette, etwa dem jüngsten Wechsel von Cafe Imports zu vollständigem Mitarbeiterbesitz, ist aufschlussreich: Im Spezialitätenkaffee reisen Versprechen schneller als Prüfungen.
Die eigentliche Probe kommt am 29. September, wenn PRISM im Regal steht und Kundinnen und Kunden schmecken können, ob ein einen Kontinent entfernt gerösteter Kaffee noch als frisch gilt.
Quellen
- Sprudge ·
- Daily Coffee News ·
- LAmag ·


