Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie kommt nicht beim Gast an
Neun Monate nach der Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen im Restaurant von 19 auf 7 Prozent findet eine Studie im Auftrag der Gewerkschaft kaum günstigere Gerichte. Der DEHOGA verweist auf Löhne und Jobs.

Die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie hat neun von zehn Preisen auf der Speisekarte genau dort gelassen, wo sie waren, so eine Studie, die die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am 17. September in Berlin vorstellte. Im Schnitt kosten Gerichte 0,5 Prozent mehr als vor der Senkung.
Das Beratungsunternehmen WMP Consult verglich im Auftrag der Gewerkschaft die Preise von mehr als 180.000 Gerichten in über 12.000 Restaurants bundesweit im Oktober 2025 mit denen im Februar und März 2026. Seit dem 1. Januar 2026 werden Speisen im Restaurant mit 7 statt 19 Prozent besteuert. Für Getränke bleibt es bei 19 Prozent.
Was die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie bewirkt hat
Die Speisekarten sind nicht günstiger geworden, gestritten wird nur darüber, wer die Differenz behalten hat.
Laut der Studie blieben 91 Prozent der Preise unverändert, rund 8 Prozent stiegen, etwa 1 Prozent sank. Bei vollständiger Weitergabe der Entlastung hätten die Preise rechnerisch um rund zehn Prozent sinken können, wie Tageskarte und t-online vorrechnen.
Wo sich Preise bewegten, ging es meist nach oben. WMP Consult registrierte Preissteigerungen bei 14 Prozent der untersuchten Bowls, bei 11 Prozent der Schnitzel und bei 10 Prozent der Steaks. NGG-Chef Guido Zeitler sagte, die von der Bundesregierung beabsichtigte Entlastung der Gäste sei nicht bei den Verbrauchern angekommen. Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler sagte, die Steuersenkung werde anders als versprochen nicht weitergegeben; die Organisation kritisierte, auch Fastfood-Konzerne wie McDonald's bekämen Steuergeschenke.
Der DEHOGA sieht das Geld in den Löhnen
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) weist diese Lesart zurück. Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke sagte, der ermäßigte Steuersatz sei kein staatliches Preissenkungsprogramm. In einer Umfrage vom Juli unter rund 2.000 Betrieben gaben 73,4 Prozent an, ihre Preise trotz massiv gestiegener Kosten stabil gehalten zu haben, 72,2 Prozent, damit höhere Personal- und Lohnkosten aufgefangen zu haben, und 53,1 Prozent, bestehende Arbeitsplätze gesichert zu haben.
Der Verband verweist auf den gesetzlichen Mindestlohn, der zum 1. Januar 2026 um 8,4 Prozent stieg, und auf die Arbeitskosten im Gastgewerbe, die im zweiten Quartal 2026 mehr als 53 Prozent über dem Niveau des ersten Quartals 2022 lagen. Eine frühere Auswertung des Datenspezialisten Meoton vom März war bereits zu dem Schluss gekommen, dass die Senkung vor allem weitere Preissteigerungen verhindert habe, berichtete t-online.
Die Beschäftigten beschreiben ebenfalls keinen Geldsegen. In einer NGG-Umfrage unter 2.120 Beschäftigten im Gastgewerbe im Juni und Juli gaben 75 Prozent an, sich nach langen Schichten nicht ausreichend erholen zu können. Die Gewerkschaft nutzt beide Studien in den laufenden Tarifverhandlungen mit dem DEHOGA.
Beide Seiten sind sich inzwischen einig, dass die deutschen Speisekarten nicht günstiger geworden sind; strittig ist nur, wer die Differenz behalten hat. Für die mehr als 800 britischen Betriebe, die eine Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie auf 10 Prozent fordern, ist Deutschland damit zum Testfall geworden, gerade während Berlin auch eine Kartenzahlungspflicht für Restaurants vorbereitet.
Quellen
- Tageskarte · 2026-09-18
- t-online (dpa, Reuters) · 2026-09-17
- food-service / GV-Praxis · 2026-09-17
- Tagesspiegel · 2026-09-17


