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Weinberge ruhen lassen: Australien regelt den Ethephon-Einsatz

Ein Wachstumsregulator, zum Fruchtansatz gespritzt, nimmt Reben den Ertrag, dessen Trauben niemand kaufen will. Südaustralien zahlt 40 australische Dollar je Hektar – nach der kleinsten Lese seit 2000.

Rebzeilen in einem Weinberg bei Renmark im südaustralischen Riverland
Foto · Photo: Feral Arts · Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Weinberge ruhen lassen steht in Australien wieder auf der Agenda des Frühjahrs: Am 28. September hat das Australian Wine Research Institute (AWRI) seine Anleitung zum Einsatz von Ethephon neu veröffentlicht, mit dem junge Beeren von Reben abfallen, deren Trauben in diesem Jahrgang niemand abnehmen wird.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Australien hat gerade die kleinste nationale Lese seit dem Jahr 2000 eingebracht, 1,27 Millionen Tonnen laut Wine Australia. Am 18. September folgte das Hilfspaket über 109 Millionen australische Dollar für die Weinbranche Südaustraliens, das vor allem aus Krediten zum Roden unrentabler Rebflächen besteht. Das Ruhenlassen ist die günstigere und umkehrbare Variante: Die Rebe bleibt im Boden stehen, trägt aber eine Saison lang keinen Ertrag.

Wie Winzer mit Ethephon Weinberge ruhen lassen

Eine ruhende Rebe ist eine Wette darauf, dass der Rotwein zurückkommt, bevor der Winzer aufgibt.

Ethephon ist ein Wachstumsregulator für Pflanzen. Im Frühjahr gespritzt, lässt er die unentwickelten Beeren vom Traubenstiel abfallen. Winzer können dadurch Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz zurückfahren und sparen sich die Kosten für Lese und Entsorgung der Früchte. Das AWRI legt das Zeitfenster zwischen das Stadium E-L 25, wenn 80 Prozent der Blütenkäppchen abgefallen sind, und E-L 27, den Fruchtansatz mit Beeren von mehr als 2 mm. Versuche des South Australian Research and Development Institute (SARDI) mit Shiraz im Riverland in den Jahren 2023 und 2025 erzielten die besten Ergebnisse bei E-L 27.

Die Auflagen sind streng. Erlaubt sind ein oder zwei Anwendungen im Abstand von mindestens sieben Tagen, wobei meist eine genügt. Kein alkalisches Wasser im Tank, keine Kupferfungizide in der Mischung, Windgeschwindigkeit zwischen 3 und 20 km/h und keine Spritzung, wenn innerhalb von drei Tagen Starkregen angekündigt ist. Behandelte Reben dürfen weder beweidet noch als Viehfutter geschnitten werden. Der Einsatz ist in allen Bundesstaaten und Territorien über die Genehmigung PER94008 der australischen Zulassungsbehörde für Pflanzenschutz- und Tierarzneimittel (APVMA) erlaubt, gültig bis zum 31. Juli 2030.

Das SARDI stellte nur minimale Auswirkungen auf den Ertrag im Folgejahr fest und, nach Angaben der Landes- und der Bundesregierung, keine nachweisbaren Rückstände in den geernteten Trauben. „Das Ruhenlassen der Reben verhindert, dass ungeerntete Früchte im Weinberg verschwendet werden, und mindert die damit verbundenen Risiken durch Schädlinge und Krankheiten“, sagte Clare Scriven, Ministerin für Primärwirtschaft in Südaustralien, im August.

Ein Zuschuss für Winzer ohne Abnehmer

Südaustralien zahlt 40 australische Dollar je Hektar, ohne GST, für Ethephon, das zwischen dem 1. Juli 2026 und dem 31. Januar 2027 gekauft wird, und zwar für bis zu 1.000 Hektar je Betrieb. Es ist die vierte Runde des Vineyard Resting Rebate, finanziert von der Landes- und der Bundesregierung. Wer nicht damit rechnet, seine Trauben zu verkaufen, kann laut dem Programm bis zu 2.000 australische Dollar je Hektar an Betriebsmitteln, Wasser und Bewirtschaftung einsparen.

Der Markt erklärt die Nachfrage. Die Anlieferung roter Trauben sank 2026 um 29 Prozent, die weißer Trauben um 9 Prozent, und Chardonnay überholte Shiraz zum ersten Mal seit 20 Jahren als wichtigste Rebsorte des Landes, wie Wine Australia im Juli berichtete. Allein Südaustralien hat heute 1.440 Hektar weniger Rebfläche als vor einem Jahr.

Europa macht dieselbe Rechnung aus einem anderen Blickwinkel: Portugal bezahlt Winzer am Douro dafür, ihre Trauben am Stock hängen zu lassen. In Australien lautet die Wette, dass eine ruhende Rebe billiger zu halten ist, als sie neu zu pflanzen, sobald die Nachfrage nach Rotwein zurückkehrt – falls sie denn zurückkehrt.

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