Frankreich will Zuckersteuer auf verarbeitete Lebensmittel ausweiten
Gesundheitsministerin Stéphanie Rist will im Haushalt 2027 eine gestaffelte Abgabe auf Kekse, Kuchen und Cerealien, ein Schritt, den die Lebensmittelindustrie als Belastung der Haushalte kritisiert.

Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist schlug am 1. Oktober vor, die Zuckersteuer auf Getränke auf verarbeitete Lebensmittel auszuweiten, darunter Kekse, Kuchen, Süßwaren, Brotaufstriche und Frühstückscerealien, mit einer gestaffelten Skala nach Zuckergehalt.
Die Maßnahme, eingebracht als Teil des französischen Haushalts 2027, würde eine seit 2012 geltende Steuer auf zuckerhaltige Getränke ausweiten, derzeit 4,07 Euro je Hektoliter für Getränke mit bis zu 5 kg zugesetztem Zucker. Rist begründete die Ausweitung mit den Kosten der Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten, nicht als reine Einnahmemaßnahme.
Eine Staffelung soll Rezepturänderungen anstoßen
Fettleibigkeit, die zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, verursacht Kosten für die Gesellschaft.
"Fettleibigkeit, die zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, verursacht Kosten für die Gesellschaft und für die Sozialversicherung", sagte Rist und stellte die Steuer als Anreiz für Hersteller dar, den Zuckergehalt zu senken, statt als pauschale Abgabe auf süße Lebensmittel.
Die gestaffelte Skala würde Produkte stärker besteuern, je höher ihr Zuckergehalt ausfällt – nach demselben Modell, das bereits bei Getränken gilt, wo die zuckerärmsten Getränke den niedrigsten Betrag je Hektoliter zahlen.
Lebensmittelindustrie warnt vor Belastung der Haushalte
ANIA, der französische Lebensmittelindustrieverband, lehnte den Plan ab und warnte, er würde die Kaufkraft französischer Verbraucher treffen, besonders einkommensschwächerer Haushalte, die einen größeren Anteil verarbeiteter Lebensmittel kaufen. Der Verband erklärte, die Maßnahme käme "zu den 5 Milliarden Euro an spezifischen Steuern hinzu, die bereits auf dem Agrar- und Lebensmittelsektor lasten", und argumentierte, Unternehmen "hätten die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht".
Der Vorschlag muss im Rahmen des Haushaltsverfahrens 2027 noch das französische Parlament passieren, wo Zucker- und Lebensmittelsteuern in früheren Jahren auf Widerstand stießen, selbst wenn das Gesundheitsministerium darauf drängte. Andere europäische Regierungen haben andere Wege zum selben Ziel gewählt: Japan senkte stattdessen die Steuer auf Restaurantessen, statt sie anzuheben, während Städte wie Potsdam eine Verpackungssteuer statt einer Zutatensteuer einführten.
Bei einer Einführung müssten in Frankreich verkaufende Hersteller ihre Preise neu kalkulieren und in manchen Fällen Rezepturen ändern, bevor die Steuer greift – ein Prozess, der meist länger dauert als die politische Debatte über ihre Einführung selbst. Bis zur Abstimmung im Parlament bleibt offen, welche Produktkategorien am Ende tatsächlich unter die neue Staffelung fallen werden.


