Chef of the Year 2027: Gault&Millau kürt Philip Rachinger
Der Koch des Ois in Neufelden gewinnt den umbenannten Spitzentitel ebenso für wiederbelebte Dorfwirtshäuser wie für sein Menü mit zwölf Gängen. Die Obauers erhalten das Lebenswerk.

Gault&Millau Österreich hat Philip Rachinger vom Restaurant Ois im Mühltalhof in Neufelden zum Chef of the Year 2027 gekürt, wie der bisherige Titel Koch des Jahres nun heißt. Die Auszeichnung wurde am 19. Oktober im Hilton Vienna Park in Wien überreicht, wo der Guide auch seine Bewertungen für 2027 vorstellte.
Rachinger serviert ein Menü mit zwölf Gängen in dem Haus an der Großen Mühl, in dem seine Familie seit Generationen lebt und arbeitet; er ist die sechste. Bevor er ins Mühlviertel zurückkehrte, lernte er im Steirereck in Wien und bei Pierre Gagnaire im Sketch in London. Das Ois hält im neuen Guide vier Hauben und 18,5 von 20 Punkten, dazu kommen zwei Michelin-Sterne.
Gault&Millau hat „Koch des Jahres“ durch das englische „Chef of the Year“ ersetzt, eine Änderung, über die die Branchenmedien gast.at und Gastroportal zusammen mit den Gewinnern berichteten. In der Schweiz sorgte derselbe Guide in diesem Herbst mit Dominik Hartmann als erstem vegetarischen Koch des Jahres für Schlagzeilen.
In Neufelden gilt der Preis den wiedereröffneten Wirtshäusern ebenso wie dem Teller.
Warum Rachinger Chef of the Year 2027 ist
Die Begründung spricht ebenso vom Dorf wie vom Teller. Mit seinem Projekt Wirtshausroas belebt Rachinger jedes Jahr leerstehende Gebäude in Neufelden wieder und holt Köche sowie Winzerinnen und Winzer aus dem Ausland in den Ort. Den Braugasthof Hopfen und Schmalz eröffnete er, weil der örtlichen Brauerei ein Raum für Gäste fehlte. Für die ORF-Serie „Aufsperren statt Zusperren!“ besuchte er mit Kira Schinko verlassene Wirtshäuser und inszenierte ein gespieltes Begräbnis samt Leichenschmaus für das Dorfwirtshaus.
„Genau das ist es, was wir uns von einem Chef of the Year wünschen“, schreibt der Guide und ergänzt, der Preisträger brauche ausreichend Strahlkraft, um solche Themen auch anzugehen. Rachinger spielt außerdem mit den Köchen Lukas Mraz und Felix Schellhorn in der Healthy Boy Band, was der Strahlkraft nicht schadet.
Die weiteren Gewinner von Gault&Millau Österreich 2027
Karl und Rudi Obauer erhielten die Auszeichnung für ihr Lebenswerk; ihr Restaurant in Werfen schließt am 26. Oktober. Toni Mörwald ist Gastronom des Jahres, und das St. Peter Stiftskulinarium in Salzburg ist Aufsteiger des Jahres, von 13 auf 15,5 Punkte und drei Hauben.
Die persönlichen Titel gingen an Nina Fink vom Gasthaus Haberl & Fink's Delikatessen in der Steiermark (Sommelière des Jahres), Janina Trogisch vom Tannenhof in St. Anton am Arlberg (Patissière des Jahres), Larissa Andres vom Jola und Lara in Wien (Service Award) und Noemi Zagoni (Newcomerin des Jahres). Das Landgasthaus Reif in Alkoven ist Wirtshaus des Jahres, Heunisch & Erben in Wien hat die beste Weinkarte, und Dorli Muhr führt das Weingut des Jahres.
An der Spitze wird der Guide schmaler. Acht Restaurants tragen fünf Hauben, eines weniger als im Vorjahr, weil das Obauer schließt: Amador, Konstantin Filippou, Silvio Nickol und Steirereck in Wien, Döllerer in Golling, Ikarus in Salzburg, Landhaus Bacher in Mautern und Stüva in Ischgl. Die Kategorie mit vier Hauben wächst dagegen deutlich, von 82 auf 97 Restaurants. Frankreich vergibt seine eigenen Trophäen, nachdem der Guide dort 28 Nominierte für 2027 bekanntgegeben hat.


