Marvin Böhm übernimmt die Küche im Hamburger Alsterpavillon
Der frühere Souschef des Aqua, dessen eigenes Restaurant Buoy im Juli nach rund drei Monaten schloss, führt künftig etwa 30 Köche im umgebauten Pavillon am Jungfernstieg. Einen Eröffnungstermin gibt es noch nicht.

Marvin Böhm, 36 Jahre alt, übernimmt die Küche im umgebauten Alsterpavillon am Hamburger Jungfernstieg, wie der Koch der Hamburger Morgenpost am 4. Oktober bestätigte. Es ist seine erste Station, seit das Buoy, sein Restaurant in der HafenCity, im Juli rund drei Monate nach der Eröffnung wieder geschlossen hat.
Die Größenordnung ist eine andere. Die Zeitung berichtet, dass er eine Brigade von rund 30 Köchen führen und junge Kolleginnen und Kollegen ausbilden wird. Die Betreiber planen mit etwa 700 Plätzen im Innen- und Außenbereich, wie das Hamburger Portal Table Tales schreibt. Im Buoy servierte er ein einziges Menü in fünf Gängen.
Betrieben wird der Pavillon von Hannes Schröder, dem Hamburger Gastronomen hinter Küchenfreunde, und Niklas Nordmann von der Ratsherrn Brauerei, die sich in der Ausschreibung der Stadt um ein Erbbaurecht über 40 Jahre durchgesetzt haben. Sie nennen das Haus eine „Hanseatische Brasserie“ und fassen es unter dem Motto „Zwischen Moin und Merci“ zusammen: norddeutsche Küche mit den Gewohnheiten einer französischen Brasserie. Die Website des Pavillons führt ein Café, einen Hauptraum namens Salon, eine Terrasse zum Boulevard, ein Sonnendeck auf dem Dach und einen Ratsherrn-Tresen mit Bier und Fischbrötchen auf.
Von fünf Gängen am Abend in der HafenCity in eine Brasserie mit rund 700 Plätzen am Jungfernstieg.
Was Marvin Böhm aus dem Aqua mitbringt
Er hat 15 Jahre im Aqua in Wolfsburg gearbeitet, das drei Michelin-Sterne hält, einen Teil davon als stellvertretender Küchenchef, so die Morgenpost. Im Jahr 2022 gewann er den Wettbewerb Koch des Jahres, außerdem war er der deutsche Kandidat für den Bocuse d'Or. Nach Wolfsburg arbeitete er für die Burgerkette Goldies an einem Standort im Berliner KaDeWe, Anfang dieses Jahres übernahm er dann das frühere Bianc in Hamburg, das er in Buoy umbenannte und nordischer ausrichtete.
Das Buoy hielt sich nicht. Die Betreibergesellschaft teilte mit, das Restaurant lasse sich unter den aktuellen Marktbedingungen nicht wirtschaftlich nachhaltig führen, wie der Genuss-Guide Hamburg im Juli berichtete. Der Koch sagte damals, er könne noch nichts Konkretes ankündigen. Das Bianc hatte seit 2020 zwei Sterne unter Matteo Ferrantino, der das Haus Ende 2025 verließ.
Ein Pavillon von 1953 ohne Eröffnungstermin
Das Gebäude, von Ferdinand Streb entworfen und 1953 fertiggestellt, ist der sechste Pavillon an einem Ort, an dem seit 1799 einer steht. Die Kette Alex betrieb ihn von 2001 bis zum 31. Oktober 2025. Der Umbau ergänzt die Dachterrasse, die der Architekt gezeichnet und niemand gebaut hatte, und der Vertrag schreibt mindestens 50 Kulturveranstaltungen im Jahr vor.
Die Eröffnung war zunächst für den Sommer 2026 vorgesehen. Im Juli verschob Schröder sie auf den Herbst, wie t-online berichtete, und die Morgenpost schreibt inzwischen nur noch, dass es in diesem Jahr so weit sein soll. Weder eine Speisekarte noch Preise sind bisher veröffentlicht worden.
Im Rest der Stadt wird die Spitze schmaler: Das Haebel schließt sein Sternerestaurant in Hamburg zum Jahresende, während Kevin Fehling den Namen des The Table mit auf See nimmt. Marvin Böhm geht den umgekehrten Weg: von fünf Gängen am Abend in ein Haus, das für Fischbrötchen und 700 Plätze gebaut ist.


